Das Bild vom Schönheitsideal

Wie dieser Blog entstanden ist.

Ich arbeite als Fitnesstrainer. Seit ungefähr 6 Jahren bin ich in der Fitnessbranche unterwegs, zuerst als Trainierende, anschließend nebenberuflich als selbstständiger Personal Trainer und mittlerweile hauptberuflich als Fitnesstrainer, Personal Trainer und Ernährungscoach. Und das schon einmal vorweg – ich liebe Fitness!

Damals, als ich mich zum allerersten mal in einem Fitnessstudio angemeldet habe, wollte ich einfach nur fit werden und mich auspowern. Relativ schnell hat mich der Ehrgeiz gepackt mehr zu erreichen, ich wollte fitter werden, mehr Gewicht bewegen und eine bessere Figur erreichen. Zu Anfang hat das auch super funktioniert und Spaß gemacht.

So habe ich angefangen meine ersten Erfahrungen mit Diäten zu machen und das, obwohl ich nie „dick“ war. Ich wollte, so wie ich es damals immer ausdrückte, nur meine Form verbessern. Zu der Zeit hat mich über Instagram das erste mal der Fitnesshype erreicht. Ich fing an mir Fitnessmodels als Vorbild zu nehmen, wollte genauso aussehen.

Und da war es erstmalig: das Schönheitsideal.

Schleichend fing ich an immer mehr einem Ideal hinterher zu laufen und die Motivation, die ich zu Anfang hatte, nämlich fitter zu werden, rückte immer mehr in den Hintergrund. Ich kam regelrecht in einen Teufelskreis und probierte eine Diät nach der anderen, dazwischen  dann die „Massephasen“, der Muskelaufbau. Von Klassikern wie Low Carb, Low Fat, Kalorien zählen, über Ketogen, intermittierendes Fasten und Intervall Diäten. Ich habe so ziemlich jede Diät ausprobiert. Und damit nahm das Drama seinen Lauf, ich habe immer mehr den Bezug zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung verloren. Ich ging nur noch von einem ins andere Extrem. Strenge Diäten oder exzessive Cheatdays. Und das Alles nur für mein Schönheitsideal, welches sich fest in meinem Kopf verankert hatte.

Nach ca. 3 Jahren ständiger Diätphasen und aus heutiger Sicht, radikaler Einschränkung der Lebensqualität, habe ich dann einen Schlussstrich gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war meine Ernährung nur noch auf Zahlen, Kalorien, Makronährstoffe, beschränkt. Ich hatte weder Hunger, noch Sättigungsgefühl. Allein meine Kalorienzähl-App bestimme darüber, ob und was ich essen durfte.
Aus meiner einstigen Motivation und Spaß beim Training wurde ein regelrechter Zwang, es war nur noch Gewohnheit und die Ansprüche an mich selbst, die mich ins Training brachten.

Veränderung.

Ich bin mir nicht mal mehr sicher warum und dennoch bin ich unendlich froh darüber, aber ich beschloss von einem auf den anderen Tag, dass damit endlich Schluss sein musste.
Ich hörte auf meine Kalorien zu zählen und beschloss nur noch zum Training zu gehen, wenn ich auch wirklich Lust hatte.
Was dann folgte war Wahnsinn: Die ersten 2 Wochen litt ich unter radikalem Kontrollverlust, das Gefühl nicht mehr zu wissen wie viele Kalorien ich aß, machte mich regelrecht fertig. Ich hatte das Gefühl ich würde fett werden. Dazu ging ich „nur“ noch 2x die Woche ins Fitnessstudio, anstelle der 6x, die ich vorher ging. Es hat sich wirklich nicht gut angefühlt, zuerst zumindest.

Nach und nach allerdings habe ich gemerkt, wie es mir besser ging, wie ich entspannter wurde und ich wieder mehr und mehr auf mein Hunger- und Sättigungsgefühl verlassen konnte. Das erste mal seit 3 Jahren bestimmten meine Ernährung und mein Training nicht mehr meinen kompletten Alltag.
Und siehe da, nach Monaten traute ich mich das erste Mal wieder auf die Waage, mein Gewicht war völlig unverändert. Das intuitive Essen hatte sich also gelohnt.

Seitdem habe ich mich viel und sehr kritisch mit den Themen Schönheitsideal und Fitnesswahn auseinandergesetzt und betrachte die Fitnessbranche mittlerweile auch aus einem anderen Winkel. Diese Gedanken möchte ich nun mit euch teilen. Ich bin der Meinung Sport und gesunde Ernährung sollte nicht nur ein Tool für einen tollen Körper sein, sondern vielmehr ein Grundbaustein für unsere Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude. Eine tolle Form allerdings nur der Nebeneffekt und die Auswirkung.

-Elisa

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4 Kommentare

  1. Bei mir ging es zwar nie darum ein schönheitsideal zu erreichen… aber klar… ums abnehmen. Durch tracken gehen die Kilos fix runter… Disziplin halt.. Spaß ist eher mäßig. Irgendwann war mir das auch zu stressig und ich habe nach richtig länger Zeit den weg zum intuitiven essen gefunden. Leider.. oder vllt auch gut.. habe ich das Gewicht dabei nur gehalten und nicht mehr abgenommen. Um nun aber noch mal so 5 Kilo vor Weihnachten runterzubekommen… werde ich also doch mal wieder tracken… muss sagen… war super schwer wieder reinzukommen wirklich alles aufzuschreiben… daher.. schreibe ich nur unter der Woche auf.

    Sport… gehört einfach dazu… man muss halt nur das richtige für sich finden und das Pensum selbst bestimmen. Aktuell mache ich 1mal die Woche Krafttraining… 1 mal bbp… und 2 mal laufen…
    Und wenn’s sich mal alles nicht so ausgeht… ist das auch kein Drama…

    Ich freu mich auf die spannenden Blog Einträge

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